18.06.2010
Rezension: Zwerghamster – Biologie, Haltung, Zucht von Sandra Honigs
Hier ist die Rezension von Linda Hagen zum Buch “Zwerghamster – Biologie, Haltung, Zucht” von Sandra Honigs. Linda hatte uns über twitter angeboten, einen Gastbeitrag zu diesem Buch zu schreiben. Diesen Vorschlag haben wir natürlich dankbar angenommen. Vielen Dank, Linda, für deine Mühe und dein Engagement.

Sandra Honigs
Zwerghamster
Biologie – Haltung – Zucht
(2. Auflage 2005)
Ich habe das Buch von Sandra Honigs Anfang 2009 gekauft, da ich mich nach der Anschaffung meines ersten Campbells eingehender über diese wunderschöne Rasse informieren wollte. Mangels Literatur, die nur den Campbell betrifft, habe ich mich für dieses Buch entschieden, da ich es ansprechend gestaltet fand und es auch einigermaßen aktuell war. Zudem fand ich den Untertitel sehr interessant, weil ich gerade immer die Genetik und auch Zuchtgedanken ganz spannend finde.
Layout:
Cover sehr schön gestaltet, ansprechende und kompetente Wirkung; ansprechendes Seitenlayout, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Kapitel besser voneinander getrennt wären; schöne Fotos; wichtige Anmerkungen und Tipps farblich hervorgehoben.
Kapitel 1: Zwerghamster biologisch betrachtet Note: 2
In „Stellung in der Systematik“ wäre eine tabellarische Aufführung viel einfacher zu verstehen.
In „Die Zwerghamster-Arten“ werden alle Unterarten kurz angerissen. Ich hätte gerne viel mehr über gerade die noch unbekannteren Arten gelesen. Es werden Größe, Farbe, Entdecker, Heimat, Lebensweise, u.ä. beschrieben. Es fehlen jedoch deutliche Erkennungsmerkmale der kurzschwänzigen Zwerghamster, z.B. die „Ramsnase“ des Dsungaren.
In „Geschichtliches“ kann der Leser kurz und knapp den Werdegang der drei hauptsächlich behandelten Arten (Campbell, Dsungare, Roborowski) nachlesen.
Kapitel 2: Zwerghamster als Heimtiere Note: 4
In „Wichtige Überlegungen und Vorbereitungen“ schreibt Frau Honigs zuerst über Unterbringung und Platz, dabei sind die Mindestmaße nach vorherrschender Meinung in Deutschland zu knapp bemessen. Für ein Pärchen wird 60(L) x 30(B) x 40(H) als Minimum empfohlen, dabei liest der Zwerghamsterfreund in allen einschlägigen Internetplattformen von 80 x 50 x 40 als Minimum für einen einzelnen Zwerghamster. Der Standort für das Nagerheim weist auf Gefahren hin, jedoch wird nicht auf einen optimalen Standort eingegangen. Unter Kosten fehlt mir die Erstausstattungsliste, wo der Interessent eine ungefähre Vorstellung davon bekommt, was der neue Mitbewohner alles benötigt und was für Kosten auf ihn zukommen. Zeitaufwand und Mitbewohner weisen für mich keine Lücken auf.
Auch in „Urlaub“ und „Kinder und Zwerghamster“ wird alles Wichtige angesprochen. Schön finde ich, dass Eltern hier in Verantwortung gezogen werden, darauf zu achten, dass das Kind den Zwerghamster pfleglich behandelt.
Kapitel 3: Erwerb Note: 3
In „Die Entscheidung“ wird dem neuen Käufer nicht geholfen, sondern dazu geraten, sich im Vorfeld mit den verschiedenen Arten vertraut zu machen – dabei sollte doch das Buch helfen?!
„Wie viele Zwerghamster – Das Sozialverhalten“ weist auf mögliche Paarhaltung hin. Beim Chinesen wird zu recht auf Einzelhaltung plädiert. Bei Campbell Zwerghamstern wird die Paarhaltung empfohlen, was ich durchaus berechtigt finde. Auch Dsungaren können laut Frau Honigs in gleichgeschlechtlichen Paaren gehalten werden. Die empfohlene Gruppenhaltung von Roborowskis finde ich ebenfalls berechtigt. Allgemein fehlt mir hier eine Empfehlung an Ersthalter und an schon erfahrene Halter.
Das Unterkapitel „Fremde werden Freunde“ finde ich sehr realistisch dargestellt. Die Warnung vor Zwang finde ich sehr gut!!
Im Thema „Der Kauf“ sollten auch Hamsterhilfen angesprochen werden! Zoofachgeschäfte werden nicht kritisch betrachtet. Hier wird auch die Bissigkeit der Campbells angesprochen, wobei mir die Erwähnung von schwarz-weißen Linien völlig schleierhaft ist. Wie Frau Honigs auf Mini-Pappschachteln aus der Zoohandlung als Transportmittel kommt, frage ich mich ernsthaft.
Kapitel 4: Unterbringung und Zubehör Note: 5
In „Die Wahl des Geheges“ werden meiner Meinung nach sehr große und weitreichende Fehler gemacht. Es wird nochmals die zu kleine Mindestgröße erwähnt. Bei Gitterkäfigen wird auf einen Gitterabstand von max. 0,7mm hingewiesen (löblich!), jedoch nicht auf eine Wannenhöhe von min. 15cm. Es werden Plastikebenen anstatt Holzebenen empfohlen. Aquarien werden meiner Meinung nach zu wenig gelobt, sondern eher als „noch okay“ erwähnt. Bei Terrarien wird auf die richtige Belüftung hingewiesen, jedoch die Einstreutiefe wieder völlig außer Acht gelassen. Eigenbauten werden ebenfalls zu wenig angepriesen. Tipps für Zubehör sind absolut veraltet und ein Laufrad mit Saugnäpfen aus Plastik wird auch kaum ein Hamsterfreund als artgerecht ansehen. Zudem sind völlig ungeeignete Bilder als Beispiele abgebildet und zwar bei jeder Art von Unterbringung!!!
In „Die Einrichtung“ hätte ich mehr echte Einrichtungstipps erwartet. Es wird sehr schön auf die „Wühler“-Tätigkeit der Zwerge eingegangen und dann nur mehrere cm Einstreu empfohlen. Wieso nicht direkt eine schöne Höhenangabe von min. 15cm? Die nur halbherzig angebrachte Warnung vor Hamsterwatte als Nistmaterial finde ich ebenfalls nicht gut.
„Das Unterhaltungsprogramm“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Einrichtung. Hierbei wird auf Einrichtungsgegenstände wie Papprollen, Äste, Etagen, Sandbad und Laufräder eingegangen. Ihren Hinweis auf Chinchillasand im Sandbad macht Frau Honigs sich selbst zunichte, indem sie folgend den viel günstigeren Vogelsand erwähnt (wo dann sicher viele unerfahrene Halter zugreifen). Warum keine Mindestmaße für ein Laufrad angegeben werden und Holzlaufräder ganz vergessen werden ist für mich unverständlich. Das Foto eines verbogenen Chinesen in einem Mini-Plastiklaufrad ist ebenfalls nicht hilfreich. Die Warnung vor Laufkugeln finde ich jedoch super!
Die Hinweise in „Ausbruchskünstler“ finde ich durchaus gut. Die genannten „Pflegemaßnahmen“ finde ich gut gelungen! Ebenfalls der Hinweis auf die „Aktivitätszeit“ der Zwerge, vor allem, da auf Stress durch Weckaktionen hingewiesen wird.
Die Eingewöhnungstipps in „Der Umgang mit dem Zwerghamster“ sind sehr schön. Das ein Hamster im „Nackengriff“ getragen werden kann/soll, ist für mich jedoch nicht verständlich, vor allem, da hierbei vollgestopfte Backen, die zwangsläufig dann unter Spannung stehen, dem kleinen Zwerg schmerzen bereiten könnten.
Kapitel 5: Fütterung Note: 2
Hier weist Frau Honigs anfangs auf die Ernährung der Wildarten hin, was ich sehr schön finde. Auch die Aufführung der unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Zwerghamsterarten in „Artgerecht – aber was bedeutet das?“ sind sehr hilfreich. In „Was schmeckt und ist gesund?“ wird vor Fütterung von Süßigkeiten gewarnt.
Im Thema „Die Basis – das Trockenfutter“ wird auf Selbstmischung plädiert, aber keine Rezepte dargeboten, sondern mögliche Bestandteile wahllos aufgezählt. Einige dort genannte Inhaltsstoffe sind zudem völlig ungeeignet, andere wichtige fehlen ganz. Von klebrigen Leckereien sollte gänzlich abgeraten werden!
Das wichtige Unterkapitel „Tierische Nahrung“ ist perfekt ausgestaltet. Leider wird im anschließenden Tipp Beofutter mit getrockneten Früchten empfohlen.
Das Thema „Frischfutter“ ist meiner Meinung nach viel zu unkritisch in Bezug auf die Diabetesgefahr von Campbell Zwerghamstern. Hier sollte doch darauf hingewiesen werden, zuckerhaltiges Frischfutter gerade bei dieser Rasse zu vermeiden. Das Thema „Beschäftigung durch Fütterung“ enthält schöne Anregungen. In „Wie viel, wie oft und wann?“ bleibt keine Frage offen.
In „Müssen Zwerghamster trinken?“ gibt Frau Honigs sehr kompetent ihre Erfahrungen wider ohne eine Meinung aufzudrängen.
Ausführlicher als ein Text wäre in „Vorsicht Gift!“ eine tabellarische Aufführung gewesen.
Kapitel 6: Der gesunde Zwerghamster Note: 3
In „Hygiene und Zoonosen“ wird auf eine Komplettreinigung höchstens alle zwei Monate plädiert, was positiv für die Zwerghamster als auch für den Geldbeutel ist.
Unter „Vorbeugen“ erhält der Hamsterhalter eine Gesundheits-Checkliste, die hilft, Anzeichen von Krankheiten zu erkennen. Sehr schön!
Unter „Einige Krankheiten der Zwerghamster“ wird auf Backentaschenprobleme, Erkältungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Zahnprobleme, Ektoparasiten, Hitzeschock, Tumore, Verletzungen und genetische Defekte ausführlich eingegangen. Dem großen Campbell-Thema Diabetes widmet Frau Honigs nur acht Zeilen, was ich als fatalen Fehler ansehe.
In „Wenn das Ende naht“ wird das mögliche Alter eines Zwerghamsters angesprochen.
Kapitel 7: Die Zucht Note: 2
Das Kapitel „Zucht“ kann Interesse für eine Hobbyzucht erwecken, zeigt aber nicht die Zeit- und Raumaufwendung dafür auf.
Im Thema „Genetische Grundlagen“ wird darauf hingewiesen, das es verschiedene Farbschläge bei allen Zwerghamsterarten gibt. Unter Worum es geht gibt Frau Honigs ihr Anliegen preis. In Die Fellfarbe – was ist das? wird allgemein die Entstehung von Haarfarben durch Melanine beschrieben (und das nach neuestem Wissenstand falsch). Auch auf die verschiedenen Augenfärbungen wird eingegangen. Am Anfang steht das Gen erklärt die Aufteilung des Erbmaterials von Mutter und Vater. Mendel und die Zwerghamster erklärt auch für Laien gut verständlich Dominanz, Rezessivität, Phäno- und Genotyp, Uniformitäts- und Spaltungsregel.
„Die Farben der Zwerghamster“ beschreibt lediglich Farben der Dsungaren und der Campbells. Beim Dsungaren werden Agouti, Winterweiß, Saphir und Pearl als Fellfärbungen besprochen. Winterweiß gilt als dominant vererbbar, dabei ist das doch kein Gen, sondern kann jede Fellfarbe betreffen. Pearl gilt als noch nicht geklärt, dabei vererbt es sich dominant (und das im Jahr 2005!). Es werden ganzjährig winterweiße Dsungaren beschrieben, wovon ich leider noch nie gehört habe. Das Zeichnungsgen Pearl wird etwas falsch beschrieben; Merle, die umstrittenen Mutationen Mandarin und Camel werden nicht angesprochen.
Beim Campbell unterteilt Frau Honigs die Fellfarben in Farb-, Zeichnungs-, Struktur- und Modifikationsgene. Es werden Agouti, Opal, Argente, Schwarz, Albino, Blau, Dove (hier Taube), Beige, Schokolade, Blaubeige, Dunkelbeige und Champagner als Fellfarben behandelt. Es wird leider nicht zwischen Agouti- und Self-Farben unterschieden, was sehr hilfreich wäre. Das Phänomen des Silberrückens wird zeitgemäß wiedergegeben. Blue Fawn wird als Variante von Blau bezeichnet, obwohl die unterschiedlichen Genmutationen aufgeführt sind. Schokolade wird als doveähnlich beschrieben, obwohl doch RE Lilac eher mit Dove verwechselt wird. Die verwirrenden Alternativ-Bezeichnungen sollte Frau Honigs besser weglassen. Als Zeichnungsgene werden Gescheckt und Platin aufgeführt. Über die homozygote Lethalität von Mi- und Si- wird gewissenhaft aufgeklärt. Als Strukturgen wird Satin besprochen. Modifikationsgene sind für Frau Honigs das Diluting- und das Umbrousgen. Unter Weitere Varianten werden einige damals neue Mutationen aufgeführt: BE White, Darkgray, Moscow, Brindled, Banded, Harlequin, Lilac Fawn, Honig- und Grau-Platin, sowie Rex (einige habe ich noch nie gehört).
In „Inzucht – ein vermeidbares Problem“ wird die sparsame Anwendung von Rückkreuzungen empfohlen. „Rückkreuzung“ beschreibt die gewissenhafte Anwendung dieser Methode, was ich lobenswert finde.
Bei der „Geschlechtsbestimmung“ ist eine nebenstehende Zeichnung der Unterschiede sehr hilfreich!
In „Wichtige Daten“ wird auf die Geschlechtsreife der Zwerghamsterarten eingegangen und ungefähre Tragezeiten und Wurfgrößen angegeben.
„Paarung und Trächtigkeit“ beschreibt das Paarungsverhalten, Verhalten während und nach der Trächtigkeit und macht auch auf evtl. Mangelernährung der Mutter aufmerksam.
In „Die Geburt“ macht Frau Honigs auf die Vorbereitungen der Mutter aufmerksam und empfiehlt unbedingte Ruhe für die ersten Tage nach der Geburt.
„Pflege und Entwicklung der Jungtiere“ beschreibt die ersten Wochen der Babies und gibt eine angebrachte Abgabeempfehlung, so dass die Jungtiere nicht zu früh oder zu spät von der Mutter getrennt werden.
Es werden mögliche Ursachen von „Kannibalismus/Kronismus“, wie andauernde Störung der Mutter, deutlich aufgeführt!
In „Buchführung“ wird eine Dokumentation der Zuchttiere und –ergebnisse angeraten. Sehr vorbildlich!
„Wettbewerbe und Ausstellungen“ beschreibt kurz die zu erfüllenden Kriterien.
Kapitel 8: Zwerghamster verstehen Note: 2
In „Körpersprache und Lautäußerungen“ wird häufig beobachtbares Verhalten erklärt. Hier wird auch nochmals auf ernsthafte Streitigkeiten eingegangen. In einer Infobox wird auf das berüchtigte Backflipping-Syndrom hingewiesen!
Die vorhandene Bauchdrüse und auch die drüsenähnliche Struktur vor den Backentaschen werden in das „Markierungsverhalten“ der Zwerghamster beschrieben. Auch wird Kot und Urin als Faktor zur Partnerwahl genannt. Das der Geruch von Katzenurin sich negativ auf die Fortpflanzung auswirken kann, ist interessant.
Kapitel 9: Zwerghamster im Mietrecht Note: 1
Das Kleintiere per Mietvertrag nicht verboten werden können, wird hier klargestellt. Dass eine groß angelegte Zucht oder nachlässige Müllentsorgung zu Problemen mit Nachbarn und Vermieter führen können, wird jedoch auch angesprochen.
Anhang: Adressen, Danksagung, Literatur und Webseiten Note: 2
Einige Adressen sind hilfreich. Die Literatur ist häufig aus den 80er und 90er Jahren, d.h. für das Erscheinungsjahr 2005 noch akzeptabel als aktuelle Bezüge (in der Naturwissenschaft gelten rund 10 Jahre als aktuell).
Fazit:
Als Biologin und langjährige Zwerghamster-Halterin hätte Frau Honigs nicht nur die Käufer begeistern können, die sich einen der trendigen Zwerghamster anschaffen wollen, sondern auch Halter der anspruchsvollen Zwerghamster.
Leider ist ihre Sichtweise der Haltung teilweise absolut veraltet und nicht artgerecht, was meine subjektive Durchschnittsnote von 2,6 auf jeden Fall zu einer 3 werden lässt. Auch hoffe ich, dass Frau Honigs bei der bald erscheinenden Neuauflage die Farbgenetik besser aufschlüsselt und auch Fotos aller Farbschläge zur Verfügung hat. Zudem sollte der Diabetes-Problematik und daraus resultierenden Fütterungsempfehlungen mehr Raum gewidmet werden, da dies nicht ausschließlich den Campbell Zwerghamster betrifft.
Gesamtnote:
3, da Kapitel 2, 3 und 4 definitiv zu nachlässig und unanspruchsvoll gearbeitet sind und die Diabetes-Problematik zu wenig Beachtung findet.
Linda, wir bedanken uns sehr für deinen konstruktiven Beitrag und die viele Arbeit, die du dir gemacht hast! Wir hoffen, dass dein Fleiß sich bezahlt macht und bei den folgenden Auflagen eine Überarbeitung stattfindet.
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Hallo!
Von dem Buch gibt es ja jetzt eine Neuauflage – 3. Aufl. / Okt. 2010. Habt ihr die schon gesehen? Verbesserungen?
lg, tina