02.07.2010
Interview mit Rodipet: Das Goldhamster-Schutzprogramm

Dies ist das inzwischen zweite Interview mit Georg Leithold von Rodipet. In diesem Interview möchten wir euch das Rodipet Goldhamster-Schutzprogramm vorstellen, da es unserer Meinung nach eine gute Sache ist und unterstützt werden muss.
Was ist das Goldhamster-Schutzprogramm?
Das Schutzprogramm umfasst ein Naturschutzgebiet im Norden Syriens in dem sich der Goldhamster wieder etablieren soll. Außerdem sind Aufklärungsarbeit vor Ort und eine Erfassung der noch verbliebenen Bestände im Land eine wichtige Säule des Programms.
Warum engagieren Sie sich gerade für Goldhamster? Warum in Syrien?
Goldhamster sind von allen als Heimtier gehaltenen Nagetierarten am stärksten bedroht, denn die anspruchsvollen Syrischen Hamster bevorzugen besonders fruchtbare Böden als Lebensraum. Diese „Ard Hamra“ genannten Böden sind selten und werden von den Landwirten Syriens intensiv und lückenlos genutzt, da der Großteil des Landes aus unfruchtbaren Gebieten besteht. Das macht es dem Goldhamster sehr schwer, denn von den Landwirten wird er neben anderen Nagetieren als Schädling angesehen der seit Jahrzehnten bekämpft wird. Der Goldhamster, der auch Syrischer Hamster genannt wird, kommt nur im Norden Syriens und im Süden der Türkei vor. Die Wahl für den Standort des Schutzgebietes fiel auf Syrien da alle als Haustier gehaltenen Goldhamster von einem Tier aus Syrien abstammen.
Ein paar Tage in Syrien – das stellen sich die meisten wahrscheinlich wie Urlaub vor. Das ist es aber sicherlich nicht, oder?
Wenn man einen robusten Magen hat, unempfindlich gegen Schmutz und Hitze ist und sich auch unter einfachsten Lebensbedingungen wohl fühlt kann man hier eine schöne Zeit unter gastfreundlichen Menschen verbringen. Es ist darüber hinaus ein Unterschied ob man eine geführte und gut organisierte Touristenreise macht oder ob man übers Land zieht und dort mit Landwirten und Beduinen über Nagetiere spricht. Syrien hat landschaftlich und kulturell eine Menge zu bieten und ist sicher eine Reise wert. Wenn man sich jedoch für den Schutz der Goldhamster einsetzt bleibt für touristische Ausflüge leider keine Zeit.
Was sind die größten Probleme, auf die Sie stoßen?
In Syrien ist es für die Landwirte zunächst einmal völlig fremd ein Nagetier als Haustier zu halten und überhaupt einen Sinn darin zu sehen die Tiere zu schützen. Die Bauern erhalten keine Subventionen und in einem schlechten Erntejahr, wie dies zum Beispiel witterungsbedingt dieses Jahr in der Aleppischen Hochebene der Fall ist, stößt man hier natürlich auf wenig Gegenliebe wenn auch noch Nagetiere die Erträge schmälern sollen. Dabei ist das Problem in Syrien eigentlich hausgemacht. Als man sich von Seiten der Regierung vor Jahrzehnten entschloss gegen die Nager vorzugehen tötete man nicht nur diese kleinen Säugetiere, sondern entzog auch den natürlichen Feinden der Nager, wie Greifvögeln, Schlangen und kleinen Raubtieren, die Lebensgrundlage. Wenn Sie über die Felder Nordsyriens den Blick schweifen lassen werden Sie nicht einen Raubvogel entdecken. Hier müsste grundlegend etwas am System geändert werden. Das ist jedoch nur über Jahrzehnte hinweg möglich. Deshalb war es uns wichtig sofort zu handeln und ein Schutzgebiet zu errichten. Hoffnung macht uns jedoch das im vergangenen Jahr gegründete Syrische Ministerium für Umwelt und Naturschutz.
Erzählen Sie uns doch etwas über das Team des Goldhamster-Schutzprogramms. Wie groß ist es? Besteht es nur aus Deutschen, Einheimischen, …?
Das Team besteht aus einem deutschen Kollegen und aus vier syrischen Einheimischen die wir für das Projekt gewinnen konnten. Das ist wichtig, denn als Ortsansässiger ist es immer etwas leichter mit den Menschen vor Ort zu sprechen und klare Regeln umzusetzen. Das Schutzgebiet ist daher im Umkreis bekannt und wird glücklicherweise von allen respektiert. Das hat sich bei der letzten Inspektion gezeigt und wir sind zuversichtlich, dass auch die Haltung der Bauern mit der Zeit anders werden wird.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Schutzprogramm?
Kurzfristig den Goldhamster in freier Wildbahn vor dem Aussterben zu bewahren und eine stabile Population zu etablieren. Ein langfristiges Ziel ist ein von der syrischen Regierung anerkannter offizieller Schutzstatus des Goldhamsters. Das wird jedoch sicher noch Jahrzehnte dauern.
Wo stehen Sie aktuell?
Das Reservat ist herrlich verwildert. Die Natur konnte sich frei entfalten und in den umliegenden Feldern ist genügend Nahrung für die Nager vorhanden. Es hat sich gezeigt dass der Schaden den die Tiere verursachen so minimal ist dass er kaum ins Gewicht fällt. Neben den Hamstern und Mäusen die von der Schutzzone partizipieren gibt es auch Schlangen und Marder die hier ebenfalls wieder Fuß fassen konnten und die Population der Nager im natürlichen Gleichgewicht halten. Der Goldhamster hat es im Vergleich zur Feldmaus jedoch offensichtlich schwerer. Mit Hilfe einer Infrarot-Fotofalle konnten wir in einem Zeitraum von 4 Tagen 15 Mäuse zählen – aber nur einen Goldhamster. Für ein solches Projekt braucht man aber auch Geduld und es ist äußerst positiv dass hier überhaupt Goldhamster leben.
Meinen Sie, dass das Schutzprogramm Erfolg haben wird? Wovon hängt der Erfolg ab?
Das Schutzprogramm wird im Rahmen seiner Ausdehnung langfristig Erfolg haben da es im richtigen Gebiet steht und vor Ort von den richtigen Leuten betreut wird. Langfristig muss jedoch ein Umdenken und eine Änderung der Gewohnheiten in der Landwirtschaft in Syrien erfolgen um dem Goldhamster auch in anderen Gebieten eine Chance zu geben und eine wirklich stabile Situation für die Tiere zu schaffen.
Wie kann man Ihnen helfen und das Goldhamster-Schutzprogramm unterstützen?
Bleiben Sie uns treu, empfehlen Sie uns weiter. Das Projekt lebt vom allgemeinen Interesse am Schutz des Syrischen Hamsters in freier Wildbahn, das nur geweckt werden kann wenn man die Situation der Tiere in der Natur kennt. Informationen dazu finden Sie auf www.hamsterschutz.de.
Herr Leithold, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen! Wir hoffen, dass das Goldhamster-Schutzprogramm Erfolg haben wird und drücken Ihnen dafür die Daumen!
Tweet
Ähnliche Beiträge:
Du kannst die Kommentare zu diesem Beitrag als RSS 2.0 Feed abonnieren. Wenn dir dieser Beitrag gefällt, hinterlasse doch einen Kommentar oder sende einen Trackback von deinem Blog.




[...] weitere Hintergrundinformationen kann ich euch auch wärmstens das Interview von mycampbell.de mit Georg Leithold von Rodipet zum Goldhamsterschutzprogramm empfehlen, der zu [...]